IA Konferenz 2013 in der Berliner Akademie der Wissenschaften

Ein schöner Veranstaltungsort: Die Akademie der Wissenschaften

Am 3. und 4. Mai 2013 fand die neunte IA Konferenz in Berlin statt. Die Konferenz lief dieses Jahr unter dem Titel: „Prozess. Dialog. Qualität.“ Anlass genug, um sich mit zwei Informationsarchitekten eines Kunden – mit dem wir gemeinsam verschiedene Projekte mit starker UX[1]-Beteiligung durchführen – auf die Reise in die Hauptstadt zu machen. Auch wenn die Konferenz dem Namen nach für Informationsarchitekten gedacht ist, so behandelt sie mittlerweile alle Themen rund um den Fachbereich der User Experience. Als ich von der Konferenz hörte, habe ich mich gefragt, warum dieser Bereich dieses Jahr den Schwerpunkt auf schlanke und agile Prozesse legt. Nach vielen sehr guten methodischen und praxisnahen Vorträgen auf der Konferenz gab Josh Seiden, der Closing Keynote Speaker am Ende die klarste Antwort darauf: UX hatte keine andere Wahl.

Traditionelle UX

Thomas Zahler verdeutlichte in seinem Vortrag sehr schön die Unterschiede zwischen traditioneller UX sowie Agile und Lean UX. Die traditionelle UX übergibt Ihre Liefergegenstände (Designs, Wireframes, Detailkonzepte, Prototypen,…) in Wasserfall-Projekten am Ende der Konzeptphase an das Umsetzungsteam. Damit hat sie in der Regel ihre Schuldigkeit getan und ist danach nicht selten gar nicht mehr am Projekt beteiligt.

Thomas Zahler: Traditional UX - Agile UX - Lean UX

Thomas Zahler: Traditional UX – Agile UX – Lean UX

Agile UX

Nun haben sich der Software- und vor allem der Online-Markt in einer Weise gewandelt, dass ein schnelles Ausliefern von Features zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden ist. Die Software-Entwicklung hat sich mit den agilen Methoden und den damit verbundenen Continuous Integration und Continuous Delivery-Ansätzen hierauf eingestellt und das nötige Handwerkzeug parat. Damit stellt sie UX  durch die ständige Einbindung in das Umsetzungsteam und die iterative Vorgehensweise vor eine enorme Herausforderung, die nicht immer auf spontane Gegenliebe stößt (Zitat Josh Seiden: „In the beginning I hated it!“). Unter dem Schlagwort Agile UX versteht man daher unter anderem die Bestrebungen, die Prozesse in agilen Umsetzungsteams so anzupassen, damit UXler und Entwickler bei der Umsetzung und beim Entwurf der Features möglichst eng und reibungslos bis zur Auslieferung des Produktes zusammenarbeiten. In den Vorträgen wurden hierzu verschiedene Ansätze gezeigt, deren Tenor sich mit unseren bisher gemachten Erfahrungen deckte: Es ist nicht leicht, diese beiden Disziplinen unter einen agilen Hut zu bringen, doch das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand.

Lean UX

Die Veränderungen der Konzeptions- und Designprozesse fördern die Diskussion um eine grundsätzliche Neuausrichtung des User Experience Bereiches. Unter dem Stichwort „Lean UX“ geht es unter anderem darum, wie man die Instrumente der User Experience dazu nutzt, möglichst schlanke und damit schnell lieferbare Produkte zu bauen. MVP (Minimal Viable Product) ist hier das Zauberakronym: wie sieht die schlankeste Lösung aus, die für den Nutzer einen ausreichenden Mehrwert bringt? Um diese Frage zu beantworten, ist es durchaus hilfreich, neben dem Product Owner, Stakeholder, Konzepter und Designer auch Endnutzer in die Phase 0 sowie in die Zieldefinitionsphase eines Projektes einzubinden (beispielsweise durch die Mitarbeit an Product/Project Canvasses und Story Maps). Doch der Ansatz des Lean UX geht noch einen Schritt weiter. Er zielt vor allem darauf ab, die richtigen Produkte zu bauen – nicht nur doing things right, sondern auch do the right things.

Josh Seiden: Focus on outcome not output

Josh Seiden: „Focus on outcome not output“

Hier können Techniken wie User Tests, Personas, Rapid Prototyping, etc. einen deutlichen Mehrwert liefern. So soll ein erstes Nutzerfeedback bereits vor der Umsetzungsphase helfen die User Stories zu validieren, um so das verfügbare Budget in einen möglichst hohen Anwendernutzen umzuwandeln. Unter dem Motto „Focus on outcome not on output“ wird dieser Anspruch dann auch konsequent zu Ende geführt. Durch den Einsatz geeigneter Analytics-Methoden werden das Nutzerverhalten im Umgang mit den ausgelieferten Produkten analysiert und mit diesen Erkenntnissen die Anforderungen überprüft und angepasst.

Mein Fazit der Konferenz

Agile und Lean sind mittlerweile so starke Bewegungen in der Softwareproduktion, dass UX sich dem damit verbundenen Wandel stellen musste und gestellt hat. Auch wenn dieser Wandel Reibungspunkte mit sich bringt, die klar benannt und  noch nicht alle aufgelöst wurden – die „UXler“ haben begonnen, zur schlanken und agilen Softwareproduktion einen entscheidenden Beitrag zu leisten. Ich meine, die Software-Entwicklung tut gut daran, sich dem gemeinsamen Dialog weiter zu öffnen.

Welche Praxiserfahrungen wir mit dem Thema „Agile UX“ in der Praxis gesammelt haben, stelle ich auf dem nächsten Agile Breakfast der Scrum User Group Lake Constance vor.

Video zur Konferenz

Folien der Vorträge auf Slideshare

Weitere Präsentationen sind im Programm der IA Konferenz verlinkt.

Blogreview

Die Tweets zum Nachlesen: https://twitter.com/search?q=%23iak13&src=hash


[1] Mit UX – User Experience werden alle Erfahrungen bezeichnet, die ein Anwender im Umgang mit einem Produkt oder Service macht. Gleichzeitig bezeichnet er eine Fachrichtung in der Software-Entwicklung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Systeme für den Nutzer möglichst einfach, wertvoll und unterhaltsam zu gestalten. Zu dieser Fachrichtung gehören Konzepter, User Interface Designer und mitunter auch Frontend-Entwickler.